| Autor: | Gordon, Noah |
|---|---|
| Titel: | Der Medicus von Saragossa Roman |
| Rezension: |
Handlungsort Spanien, man schreibt das Jahr 1492 und es herrscht die Inquisition über Spanien. Für die Juden Spaniens heißt dies, als "Konversos" ihr Leben in Angst und Verfolgung zu fristen oder zu emigrieren. Jona, der 13-jährige Sohn eines Silberschmieds, der sich erst nach drei Kapiteln als Hauptperson des Gordon-Schmökers herauskristallisiert, entscheidet sich nicht zu konvertieren und muss deshalb fliehen. Getrennt von seiner Familie - der ältere Bruder unter mysteriösen Umständen ermordet, der jüngere Bruder verschollen, der Vater vom Mob erschlagen - taucht er unter. Auf seiner Odyssee durch ganz Spanien entwickelt er sich zum Mann und arbeitet er als Bauer und Schäfer, lebt bei Miggo, dem Zigeuner, wo er das Kesselflicken lernt, in Granada verliebt er sich in die Tochter eines Seidenhändlers, landet nach einer weiteren Flucht schließlich in Gibraltar, wo er beim Waffenschmied Ferraro unterkommt und die hohe Kunst des Eisenschmiedens erlernt. Seine wahre Berufung aber erkennt er erst nach 300 Seiten - nach einer weiteren Flucht landet er in Saragossa, wo er auf einen alten Medicus trifft....
Sie ist ein Mythos - Noah Gordons Ärzteserie "Medicus" ist seit 12 Jahren ein Kassenschlager: Der erste Band (deutsche Erstveröffentlichung 1987) verkaufte sich bisher über 5 Millionen mal und seither folgten "Der Schamane" (1992) und die "Die Erben des Medicus" (1995), die jedes für sich die Geschichte einer Ärztedynastie in verschiedenen Zeitaltern schildert. Das Rezept: Historie, leicht verdaulich aufbereitet, einfache Handlung, gut recherchierte Details und ein Schuss Spannung. Mit dem "Medicus von Saragossa" legt Gordon nun sein viertes Buch in Serie vor und es ist absehbar - schon rund zwei Monate nach Erscheinen liegt die Auflage bei stolzen 280.000 Exemplaren im Hardcover! - dass auch dieser Band wieder reißend über die Ladentheke gehen wird. Auch wenn der Protagonist nicht der Familie "Cole" angehört, werden die Gordon-Fans begeistert sein.
Doch was bleibt, wenn man dieses Buch liest, ohne die Vorerfolge des Autors mit einzubeziehen? Für sich gesehen, zählt wohl dieser Band nicht zu den Meisterwerken der abendländischen Literatur. Nur schwer kommt die eigentliche Handlung in Gang, in Episoden werden ohne innere Spannung die Stationen von Jonas Reise erzählt (hier wäre eine Landkarte sehr von Nützen), bis die Hauptfigur nach dreihundert Seiten (von rund vierhundertfünfzig) endlich zum ersten Mal in Kontakt mit einem Medicus tritt. Doch wer nicht darauf besteht, dass das Versprechen des Buchtitels eingelöst wird, vergnügt sich an den hautnah beschriebenen und daher kurzweiligen Schilderungen der Lebensumstände der Menschen in Europa während der Inquisition. Die Sprache ist einfach und gut lesbar, die Unterteilung in Kapitel macht es möglich, den neuen Medicus häppchenweise abends vor dem Einschlafen oder im Bus zu lesen. Was macht es da schon, wenn der Spannungsbogen so zerhackt ist, dass man vergisst, was eigentlich die Frage war: Wer ist verantwortlich für den Tod von Jona´s Bruder Meir Ben Helkias Toledano? "Medicus" ist eben doch nicht gleich "Medicus".
Heike Meyer
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| Infos: | 09/99, Karl Blessing Verlag München, gebunden, ca. 450 Seiten, DM 48,00. ISBN 3-89667-013-1 |
| Datum: | 25.11.99 |
| Link: | Beim Online-Buchhandel bestellen |
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Handlungsort Spanien, man schreibt das Jahr 1492 und es herrscht die Inquisition über Spanien. Für die Juden Spaniens heißt dies, als "Konversos" ihr Leben in Angst und Verfolgung zu fristen oder zu emigrieren. Jona, der 13-jährige Sohn eines Silberschmieds, der sich erst nach drei Kapiteln als Hauptperson des Gordon-Schmökers herauskristallisiert, entscheidet sich nicht zu konvertieren und muss deshalb fliehen. Getrennt von seiner Familie - der ältere Bruder unter mysteriösen Umständen ermordet, der jüngere Bruder verschollen, der Vater vom Mob erschlagen - taucht er unter. Auf seiner Odyssee durch ganz Spanien entwickelt er sich zum Mann und arbeitet er als Bauer und Schäfer, lebt bei Miggo, dem Zigeuner, wo er das Kesselflicken lernt, in Granada verliebt er sich in die Tochter eines Seidenhändlers, landet nach einer weiteren Flucht schließlich in Gibraltar, wo er beim Waffenschmied Ferraro unterkommt und die hohe Kunst des Eisenschmiedens erlernt. Seine wahre Berufung aber erkennt er erst nach 300 Seiten - nach einer weiteren Flucht landet er in Saragossa, wo er auf einen alten Medicus trifft....
Sie ist ein Mythos - Noah Gordons Ärzteserie "Medicus" ist seit 12 Jahren ein Kassenschlager: Der erste Band (deutsche Erstveröffentlichung 1987) verkaufte sich bisher über 5 Millionen mal und seither folgten "Der Schamane" (1992) und die "Die Erben des Medicus" (1995), die jedes für sich die Geschichte einer Ärztedynastie in verschiedenen Zeitaltern schildert. Das Rezept: Historie, leicht verdaulich aufbereitet, einfache Handlung, gut recherchierte Details und ein Schuss Spannung. Mit dem "Medicus von Saragossa" legt Gordon nun sein viertes Buch in Serie vor und es ist absehbar - schon rund zwei Monate nach Erscheinen liegt die Auflage bei stolzen 280.000 Exemplaren im Hardcover! - dass auch dieser Band wieder reißend über die Ladentheke gehen wird. Auch wenn der Protagonist nicht der Familie "Cole" angehört, werden die Gordon-Fans begeistert sein.
Doch was bleibt, wenn man dieses Buch liest, ohne die Vorerfolge des Autors mit einzubeziehen? Für sich gesehen, zählt wohl dieser Band nicht zu den Meisterwerken der abendländischen Literatur. Nur schwer kommt die eigentliche Handlung in Gang, in Episoden werden ohne innere Spannung die Stationen von Jonas Reise erzählt (hier wäre eine Landkarte sehr von Nützen), bis die Hauptfigur nach dreihundert Seiten (von rund vierhundertfünfzig) endlich zum ersten Mal in Kontakt mit einem Medicus tritt. Doch wer nicht darauf besteht, dass das Versprechen des Buchtitels eingelöst wird, vergnügt sich an den hautnah beschriebenen und daher kurzweiligen Schilderungen der Lebensumstände der Menschen in Europa während der Inquisition. Die Sprache ist einfach und gut lesbar, die Unterteilung in Kapitel macht es möglich, den neuen Medicus häppchenweise abends vor dem Einschlafen oder im Bus zu lesen. Was macht es da schon, wenn der Spannungsbogen so zerhackt ist, dass man vergisst, was eigentlich die Frage war: Wer ist verantwortlich für den Tod von Jona´s Bruder Meir Ben Helkias Toledano? "Medicus" ist eben doch nicht gleich "Medicus".
Heike Meyer