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Lots Töchter

Autor: Katz, Daniel
Titel: Lots Töchter
Roman
Rezension: Lots Töchter Gott, in Person des finnischen Waisen und Sozialdemokraten Emil Hankonen, und der Teufel, in Gestalt des Chefs der vereinigten silzilianischen und kalabrischen Mafia, des Titanen-Sohns Donadoni, sitzen in einer griechischen Taverne und spielen um die Welt. Donadoni gewinnt die Würfelpartie - aber Hankonen kann sich noch nicht trennen von 'seinem' Planeten, denn "...der hauptsächliche Grund dafür, daß er überhaupt sein Interesse an der Welt so lange wachgehalten habe, sei die pure Neugier gewesen. Er war neugierig zu wissen, was diese zweibeinigen Fünffingrigen noch alles fertigbringen würden... wenn die Menschheit sich selber vernichtete, wie er annahm, dann würde er umgehend seine Spielschulden begleichen und Donadoni die Welt überlassen." Tatsächlich geht die Menschheit bald an einem von dem indisch-amerikanischen Forscher Romesh Chandarjee entdeckten ikosaedrischen Arbovirus zugrunde. Hankonen übergibt Donadoni die Erde sowie einen Großteil seiner Allmächtigkeit und überlässt ihn der Frage, was mit diesem Planeten noch anzufangen ist. Denn der homo sapiens hat nicht nur sich selbst, sondern auch weite Teile der Natur zerstört: Atomkraftwerke und -sprengköpfe explodierten, Dämme brachen und schiffbrüchige Öltanker verschmutzten die Weltmeere. In den folgenden sechs Kapiteln beschreibt Daniel Katz die Stationen der Schöpfung und ihrer (Er-) Folge(n) - diesmal unter Donadonis Federführung. Bald schon stellt Hankonen fest, dass dem Sizilianer nicht viel Neues eingefallen ist. Mit den tiefgefrorenen und wieder aufgetauten Androiden Adamo und Eva, mit denen er Donadoni doch noch ausgeholfen hat, bevölkert dieser zunächst den Garten Eden - der eigentlich Teil des Kairoer Zoos ist - und ist bei ihrer Vermehrung gerne behilflich. Später erprobt er seine (All-)Macht, in dem einen Patriarchen auffordert, seinen Sohn zu opfern. "Dreitausendfünfhundert Jahre nachdem der durch sich selbst zum Gott erhöhte Titanensohn über die Einwohner zweier Schwesterstädte erzürnt gewesen war,..., langte mit dem letzten Nachtzug ein junger Mann auf dem Bahnhof der an selbigem Ort entstandenen Stadt an." Mit diesem Satz beginnt das namensgebende fünfte Kapitel 'Lots Töchter'. In Somora herrscht eine kleine Gruppe um den Stadtdirektor Lot, die an der dort stattfindenden ökologischen Katastrophe trefflich verdienen und alle Hindernisse zuverlässig aus dem Weg zu räumen wissen - wie der junge Mann zuletzt am eigenen Leibe erfährt. Auch die Episode mit einem jungen Ehepaar, das in der Fremde Herberge sucht und diese nur in einem Obdachlosenasyl findet, wo dann Wunder geschehen und ein Kind - Mädchen! - das Licht der Welt erblickt, lässt Donadoni nicht aus. Schließlich versucht Hankonen, Donadonis Pläne zu beeinflussen - nachdem ihm dieser jedoch alle Allmacht genommen hat, bleibt nur der politische Weg. Hankonen reist als Abgesandter der finnischen sozialistischen Partei nach Brüssel - und stirbt, unter dem Abgesang seiner letzten Liebe: "Die Welt ist ohne Götterlein, und ohne Gottesvater, endlich ist die Welt befreit, die Geschichte ist nur Theater." In einer wunderbaren Satire (be-)schreibt der finnisch-jüdische Autor Katz die Geschichte des Alten Testaments aufs Neue. Dabei hält sich der im Hintergrund die Fäden ziehende Protagonist Donadoni zwar recht genau an die - vorgegebene - Rahmenhandlung, diese wird jedoch mit sehr aktuellen Handlungelementen angereichert. Themen sind die organisierte Kriminalität, Umweltkatastrophen, gewalttätiger Widerstand und Asylpolitik. Nichts davon wirkt jedoch aufgesetzt und bemüht, alle Aspekte werden in einer großen Leichtigkeit und viel Charme in die Rahmenhandlung eingepasst. Besonderns gut gefallen hat mir persönlich das erste Kapitel, das den Handel von Gott und Teufel beschreibt. Durch lange Passagen wörtlicher Rede werden die beiden Akteure lebendig und die Handlung greifbar - der Leser erhält so quasi einen Platz am Nebentisch in der griechischen Taverne Gaia in Thessaloniki. Daniel Katz wurde 1938 in Helsinki geboren und arbeitete als Tunnelbohrer, Sprengmeister, Musikredakteur und Schauspieler; seit 1968 ist er als Schriftsteller tätig. Auf Deutsch sind von ihm außerdem erschienen 'Als Vater auf Skiern nach Finnland kam' (1972) und 'Der falsche Hund' (1997). Jasmin Oun
Infos: Feb.2001, Insel Verlag, Hardcover, (Originaltitel: Herra Lootin tyttäret. Jumalallisia ja jumalattomia tarinoita), Aus dem Finnischen von Gisbert Jänicke, ISBN 3-458-17056-1
Datum: 11.05.01
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