bau-pr Logo
Der Redaktionsservice für die Branchen Bau, Haus- und Gebäudetechnik, Wohnen, Garten- und Landschaftsbau
 

Denn Du trägst meinen Namen.

Autor: Lebert, Norbert und Stephan
Titel: Denn Du trägst meinen Namen.
Das schwere Erbe der prominenten Nazi-Kinder
Rezension: Denn Du trägst meinen Namen. "Was bedeutet es, einen Vater zu haben, der an einem Massenmord von nie gekanntem Ausmaß beteiligt war?" Dieser Frage gehen Norbert und Stephan Lebert in ihrem einzigartig konstruierten Buch "Denn Du trägst meinen Namen. Das schwere Erbe der prominenten Nazi-Kinder" nach. Gerade der Aufbau des Buches ermöglicht eine vielfältige Annäherung an die Frage. Kinder verschiedener prominenter Nazis werden nach dem 2. Weltkrieg zweimal im Abstand von 40 Jahren interviewt. 1959 führt Norbert Lebert, Journalist, die ersten Interviews mit den damals am Anfang des Berufslebens stehenden Personen. Sie werden genau 40 Jahre später, 1999/2000, erneut nach ihrem Verhältnis zu Vater und Vergangenheit sowie ihrem gegenwärtigen Leben befragt - vom Sohn des 1993 verstorbenden Norbert Leberts, Stephan. Insgesamt sechs Nazi-Kinder, wie etwa Wolf-Rüdiger Heß, Martin Bormann und Gudrun Himmler, hat Norbert Lebert 1959 besucht. Seine Gesprächsaufzeichnungen stellen das Leben der Interviewten als Kinder mit dem berühmten Vater während des 2. Weltkriegs und ohne ihn nach Kriegsende dar. Die damals 20-jährigen machen deutlich, dass hinter dem eiskalten, berechenbaren und massenmordenden Mann auch ein einfühlsamer und liebevoller Vater steckt. Besonders wird deutlich, in welcher Form das Leben durch den bekannten Vater bestimmt wurde. Beispielsweise hatte Gudrun Himmler enorme Probleme bei der Stellensuche. Stephan Lebert, ebenfalls Journalist, lässt im Gegensatz zu seinem Vater nicht allein die ehemaligen Nazi-Kinder sprechen. Vielmehr bringt er sich als Gesprächspartner mit ein. Er versucht sich als 'Kind des Friedens und der Freiheit' in die Situation der befragten Söhne und Töchter hineinzuversetzen und gibt Gedanken und Gefühle Preis. Wichtiger ist noch seine klare Stellungnahme. Stephan Lebert sieht sich in einer besonderen Pflicht, die Arbeit seines Vaters und die Äußerungen der ehemaligen Nazi-Kinder kritisch zu hinterfragen. Vor allem wohl, weil man als Generation, die im Frieden geboren wurde, auf Grund der deutschen Nazi-Vergangenheit und besonders der -Gegenwart dazu Stellung beziehen muss. Dass sich Norbert Lebert dagegen in seiner Meinung stark zurücknahm, er versteckte sich fast hinter den Worten der Interviewten, ist nicht verwunderlich. Als zirka 10-jähriger Junge hatte er die Zeit des 2. Weltkriegs als "begeisterter Hitlerjunge" und den "Zusammenbruch Nazi-Deutschlands als Katastrophe" erlebt. Später, beim Anblick von Leichenbergen und verhungerter Häftlinge, war er jedoch in seiner politischen Grundeinstellung erschüttert und machte "Politik" zum Tabu-Thema. Die Nazi-Kinder, die Stephan Lebert besuchen konnte, einige waren bereits verstorben, andere haben sich einem Gespräch verweigert, sprechen mit ihm noch einmal über den Vater und reflektieren äußerst kritisch ihre Bemerkungen von vor 40 Jahren. Sie haben inzwischen einen Weg gefunden, mit ihren Schicksal zu leben. Doch dieser Weg wird bis zu ihrem Tod ein steiniger und unruhiger sein, denn: "Erinnerung ist eine komplizierte Angelegenheit.", wie es Stephan Lebert in seiner Schlussbemerkung unterstreicht. Corinna Hartkopf
Infos: 2000, Blessing, gebundene Ausgabe, 222 Seiten, ISBN: 3896671057, EUR 21,00
Datum: 11.01.02
Link: Beim Online-Buchhandel bestellen
Zur Liste Zur Liste