| Autor: | Olafsson, Olaf |
|---|---|
| Titel: | Der Weg nach Hause Roman |
| Rezension: |
Somerset, England, in den 60ern - ein beschauliches Stück Natur, ideal für ein kleines, intimes Country-Hotel. Ein solches führen die seit zwanzig Jahren in England lebende Isländerin Disa und ihr schwuler Freund Anthony. Persönliche Bindungen an die Menschen dieser Landschaft und die Möglichkeit, ihre Passion fürs Kochen zu leben, sorgen dafür, dass dies Disas Zuhause wird. Die Erinnerungen an das Land ihrer Herkunft sind dagegen eher düster: Ihre Kindheit in einem der abgelegenen nördlichen Landesteile ist vor allem von einem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis geprägt. Die ferne Hauptstadt Reykjavik verheißt zunächst Befreiung, wird später aber zum Schauplatz Disas schrecklicher persönlicher Verletzungen. Disa weiß, dass sie noch einmal gen Norden reisen muss, denn ein Kapitel ihrer isländischen Geschichte ist noch nicht abgeschlossen; doch immer wieder verschiebt sie die Abreise. Erst als der Arzt eine unheilbare, tödliche Krankheit bei ihr diagnostiziert, macht sie sich auf den Weg von Somerset nach Schottland, von wo aus die Fähre sie nach Island bringen wird. Während der Fahrt brechen die Erinnerungen über Disa herein und sie reflektiert noch einmal die großen schmerzlichen Erfahrungen ihres Lebens: ihre Kindheit und das Verhältnis zur Mutter; ihre Emanzipation, die in der Entscheidung gipfelt, Köchin zu werden, was wiederum zum Ausstoß aus der Familie führt; ihre große Liebe Jakob, den sie in einem deutschen Konzentrationslager verliert; ihre Rückkehr nach Island, wo sie entsetzt entdecken muss, dass auch hier die Nazis bereits Fuss fassen konnten und wo ihr Herz dann ein zweites Mal zerbricht. So verlässt Disa England, um sich auf den Weg nach Hause zu machen und dadurch endgültig mit diesem Zuhause und ihrer Vergangenheit abzuschließen.
Mit 'Der Weg nach Hause' legt der Isländer Olaf Olafsson seinen zweiten Roman vor, der in seiner Heimat ein Bestseller wurde. Er zeichnet hier das Leben einer starken und ungewöhnlichen Frau nach, das nicht zuletzt durch entscheidene politische Ereigenisse beeinflusst und mit bestimmt wurde. Hinter der schützenden Fassade unbeugsamer Autonomie jedoch verbergen sich zahlose Verwundungen, die Disa schlussendlich doch als gebrochene Persönlichkeit erscheinen lassen. Die Reise nach Island ist für Disa die letzte Chance, ihren inneren Frieden zu finden. Olafsson selbst sagt über die Protagonistin: "Disa is influenced by woman I knew of that generation, some of whom suffered quiet hardships during the war, and most of whom never said much about their expierences. ... In my mind, Disa is inordinately sensitive and easily hurt. ... Disa tries hard to put up a barrier to prevent us from knowing her, but this attempt often reveals more than it hides." Olafsson charakterisiert die Frauenfigur ebenfalls als aufbrausend gegenüber Kritik an ihren Kochkünsten - ihrer Form mit der Welt zu kommunizieren - und als stolz. So nimmt sie es beispielsweise ihrer langjährigen Küchen-Mitarbeiterin und designierten Nachfolgerin derart übel, dass diese das Haus auf Grund ihrer Heirat verlässt, dass sie den Kontakt vollständig abbricht. Diese selbstgerechten Handlungsmuster und der Harte-Schale-Weicher-Kern-Habitus, der aber nicht konsequent durch gehalten wird, sondern sich manchmal in Selbstmitleid aufweicht, machen es schwer, die Protagonistin als die Sympathieträgerin zu empfinden, als die sie angelegt ist.
Der Autor:
Olaf Olafsson wurde 1962 in Reykjavik geboren und studierte Physik an der Brandeis-Universität. Er lebt mit seiner Familie in New York, wo er 1985 als Entwickler von Sony Interactive Entertainment begann, dessen CEO er heute ist. Ausgleich findet der Manager in seiner Autorentätigkeit; mit 'Vergebung der Sünden' (1994) legte Olafsson sein Debüt vor. Insbesondere nach dem Erfolg von 'der Wehg nach Hause' gilt Olafsson als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Islands.
Jasmin Oun |
| Infos: | 2002, Albrecht Knaus Verlag, München, Gebundene Ausgabe. 256 Seiten, ISBN: 3813501779, EUR 19,90 |
| Datum: | 02.10.02 |
| Link: | Beim Online-Buchhandel bestellen |
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Somerset, England, in den 60ern - ein beschauliches Stück Natur, ideal für ein kleines, intimes Country-Hotel. Ein solches führen die seit zwanzig Jahren in England lebende Isländerin Disa und ihr schwuler Freund Anthony. Persönliche Bindungen an die Menschen dieser Landschaft und die Möglichkeit, ihre Passion fürs Kochen zu leben, sorgen dafür, dass dies Disas Zuhause wird. Die Erinnerungen an das Land ihrer Herkunft sind dagegen eher düster: Ihre Kindheit in einem der abgelegenen nördlichen Landesteile ist vor allem von einem schwierigen Mutter-Tochter-Verhältnis geprägt. Die ferne Hauptstadt Reykjavik verheißt zunächst Befreiung, wird später aber zum Schauplatz Disas schrecklicher persönlicher Verletzungen. Disa weiß, dass sie noch einmal gen Norden reisen muss, denn ein Kapitel ihrer isländischen Geschichte ist noch nicht abgeschlossen; doch immer wieder verschiebt sie die Abreise. Erst als der Arzt eine unheilbare, tödliche Krankheit bei ihr diagnostiziert, macht sie sich auf den Weg von Somerset nach Schottland, von wo aus die Fähre sie nach Island bringen wird. Während der Fahrt brechen die Erinnerungen über Disa herein und sie reflektiert noch einmal die großen schmerzlichen Erfahrungen ihres Lebens: ihre Kindheit und das Verhältnis zur Mutter; ihre Emanzipation, die in der Entscheidung gipfelt, Köchin zu werden, was wiederum zum Ausstoß aus der Familie führt; ihre große Liebe Jakob, den sie in einem deutschen Konzentrationslager verliert; ihre Rückkehr nach Island, wo sie entsetzt entdecken muss, dass auch hier die Nazis bereits Fuss fassen konnten und wo ihr Herz dann ein zweites Mal zerbricht. So verlässt Disa England, um sich auf den Weg nach Hause zu machen und dadurch endgültig mit diesem Zuhause und ihrer Vergangenheit abzuschließen.
Mit 'Der Weg nach Hause' legt der Isländer Olaf Olafsson seinen zweiten Roman vor, der in seiner Heimat ein Bestseller wurde. Er zeichnet hier das Leben einer starken und ungewöhnlichen Frau nach, das nicht zuletzt durch entscheidene politische Ereigenisse beeinflusst und mit bestimmt wurde. Hinter der schützenden Fassade unbeugsamer Autonomie jedoch verbergen sich zahlose Verwundungen, die Disa schlussendlich doch als gebrochene Persönlichkeit erscheinen lassen. Die Reise nach Island ist für Disa die letzte Chance, ihren inneren Frieden zu finden. Olafsson selbst sagt über die Protagonistin: "Disa is influenced by woman I knew of that generation, some of whom suffered quiet hardships during the war, and most of whom never said much about their expierences. ... In my mind, Disa is inordinately sensitive and easily hurt. ... Disa tries hard to put up a barrier to prevent us from knowing her, but this attempt often reveals more than it hides." Olafsson charakterisiert die Frauenfigur ebenfalls als aufbrausend gegenüber Kritik an ihren Kochkünsten - ihrer Form mit der Welt zu kommunizieren - und als stolz. So nimmt sie es beispielsweise ihrer langjährigen Küchen-Mitarbeiterin und designierten Nachfolgerin derart übel, dass diese das Haus auf Grund ihrer Heirat verlässt, dass sie den Kontakt vollständig abbricht. Diese selbstgerechten Handlungsmuster und der Harte-Schale-Weicher-Kern-Habitus, der aber nicht konsequent durch gehalten wird, sondern sich manchmal in Selbstmitleid aufweicht, machen es schwer, die Protagonistin als die Sympathieträgerin zu empfinden, als die sie angelegt ist.
Der Autor:
Olaf Olafsson wurde 1962 in Reykjavik geboren und studierte Physik an der Brandeis-Universität. Er lebt mit seiner Familie in New York, wo er 1985 als Entwickler von Sony Interactive Entertainment begann, dessen CEO er heute ist. Ausgleich findet der Manager in seiner Autorentätigkeit; mit 'Vergebung der Sünden' (1994) legte Olafsson sein Debüt vor. Insbesondere nach dem Erfolg von 'der Wehg nach Hause' gilt Olafsson als der bedeutendste zeitgenössische Schriftsteller Islands.
Jasmin Oun