| Autor: | Beer, Olivier (Hrsg.) |
|---|---|
| Titel: | Lucien Hervé Bildband |
| Rezension: |
Mit der ersten umfassenden Monographie über den großen Architekturfotografen Lucien Hervé begleitet Olivier Beer die Ausstellung des Werks von Hervé in den Hamburger Deichtorhallen, die noch bis 12. Januar 2003 dort zu sehen sein wird.
Bereits dieser Bildband vermittelt eindrucksvoll und atemberaubend die Faszination des beseelten Blickes auf klassische wie moderne Architektur. Die Seele eines Architekten in Hervé zu entdecken, konstatierte denn auch Le Corbusier - einer der berühmtesten Baumeister des 20. Jahrhunderts - nachdem Hervé 1949 Bilder von seiner Cité Radieuse in Marseille machte. Draufhin erhob er den gebürtigen Ungarn und Autodidakten zu seinem Hausfotografen. Später hielt Hervé auch das architektonische Schaffen unter anderem von Alvar Aalto, Marcel Breuer und Oscar Niemeyer in der ihm eigenen, kontrast- und spannungsreichen Weise fotografisch fest.
Spannung, das war eine Forderung, die Hervé an Bilder stellt: "Ohne strenge Komposition ist ein Foto nur eine Anekdote oder eine Reportage. Zugleich bin ich mit Fotos, denen eine innere Spannung fehlt, niemals zufrieden." Damit spricht er die Sprache der Architektur seiner Zeit: Mit seinen strengen Kompositionen vermittelt Hervé dem Betrachter die geometrische Formstrenge des Konstruktivismus als ästetischen Bildinhalt. Dazu nutzt er vor allem die Wirkung von Licht und Schatten, ein Kontrast, der Formen und Strukturen plastisch werden lässt. Sein Bild erhält eine eigene Poesie, einen Rhythmus und Details stärkes Gewicht, beispielsweise die Beschaffenheit der unverputzen Betonoberfläche - der Haut - eines Gebäudes, die Le Corbusier so schätzte. Damit setzt Hervé Le Corbusiers Diktum, wonach Architektur "das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht angeordneten Baukörper" sei, perfekt in die Bildsprache um. Zahlreiche Objekte Le Corbusier's, etwa öffentliche Bauten in Chandigarh/Indien oder die Wallfahrtskirche in Ronchamp, hat Hervé mit seinem Blick festgehalten. Aus dem Zusammenspiel von Licht, Schatten, Wänden und Raum - den nach Le Corbusier wesentlichen Elementen der Architektur - entstehen fast skulpturale Objekte von plastischer Struktur. Ideales Medium für seinen Schaffensprozess ist die Schwarzweiß-Fotografie, die Hervé Zeit seines Lebens bevorzugt. Abzüge auf hartem Papier unterstreichen die erwünschte Wirkung.
Neben der Architekturfotografie finden sich in dem, in der Monographie dargestellten Ausschnitt aus Hervés Werk auch Portraits bekannter Künstler, etwa von Fernand Léger und Henri Matisse, sowie Bilder aus dem Zyklus 'Paris, ohne mein Fenster zu verlassen' von 1947. Auch hier achtet Hervé auf eine strenge Bildgeometrie, der er oft mit einer starken, nicht selten mehrfachen Bearbeitung des Bildausschnitts nachhilft. Ein Verfahren, das er bei fast all seinen Bildern praktiziert.
Ein wunderbarer Bildband, verstärkt durch den hintergründigen und aussagekräftigen Text Beers, der große Lust vermittelt, die Hamburger Ausstellung zu besuchen.
Jasmin Oun |
| Infos: | 2002, Hatje Cantz Verlag, Ostfildern-Ruit, Gebundene Ausgabe, 264 Seiten, ISBN: 377571197X, EUR 58,- |
| Datum: | 14.10.02 |
| Link: | Beim Online-Buchhandel bestellen |
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Mit der ersten umfassenden Monographie über den großen Architekturfotografen Lucien Hervé begleitet Olivier Beer die Ausstellung des Werks von Hervé in den Hamburger Deichtorhallen, die noch bis 12. Januar 2003 dort zu sehen sein wird.
Bereits dieser Bildband vermittelt eindrucksvoll und atemberaubend die Faszination des beseelten Blickes auf klassische wie moderne Architektur. Die Seele eines Architekten in Hervé zu entdecken, konstatierte denn auch Le Corbusier - einer der berühmtesten Baumeister des 20. Jahrhunderts - nachdem Hervé 1949 Bilder von seiner Cité Radieuse in Marseille machte. Draufhin erhob er den gebürtigen Ungarn und Autodidakten zu seinem Hausfotografen. Später hielt Hervé auch das architektonische Schaffen unter anderem von Alvar Aalto, Marcel Breuer und Oscar Niemeyer in der ihm eigenen, kontrast- und spannungsreichen Weise fotografisch fest.
Spannung, das war eine Forderung, die Hervé an Bilder stellt: "Ohne strenge Komposition ist ein Foto nur eine Anekdote oder eine Reportage. Zugleich bin ich mit Fotos, denen eine innere Spannung fehlt, niemals zufrieden." Damit spricht er die Sprache der Architektur seiner Zeit: Mit seinen strengen Kompositionen vermittelt Hervé dem Betrachter die geometrische Formstrenge des Konstruktivismus als ästetischen Bildinhalt. Dazu nutzt er vor allem die Wirkung von Licht und Schatten, ein Kontrast, der Formen und Strukturen plastisch werden lässt. Sein Bild erhält eine eigene Poesie, einen Rhythmus und Details stärkes Gewicht, beispielsweise die Beschaffenheit der unverputzen Betonoberfläche - der Haut - eines Gebäudes, die Le Corbusier so schätzte. Damit setzt Hervé Le Corbusiers Diktum, wonach Architektur "das kunstvolle, korrekte und großartige Spiel der unter dem Licht angeordneten Baukörper" sei, perfekt in die Bildsprache um. Zahlreiche Objekte Le Corbusier's, etwa öffentliche Bauten in Chandigarh/Indien oder die Wallfahrtskirche in Ronchamp, hat Hervé mit seinem Blick festgehalten. Aus dem Zusammenspiel von Licht, Schatten, Wänden und Raum - den nach Le Corbusier wesentlichen Elementen der Architektur - entstehen fast skulpturale Objekte von plastischer Struktur. Ideales Medium für seinen Schaffensprozess ist die Schwarzweiß-Fotografie, die Hervé Zeit seines Lebens bevorzugt. Abzüge auf hartem Papier unterstreichen die erwünschte Wirkung.
Neben der Architekturfotografie finden sich in dem, in der Monographie dargestellten Ausschnitt aus Hervés Werk auch Portraits bekannter Künstler, etwa von Fernand Léger und Henri Matisse, sowie Bilder aus dem Zyklus 'Paris, ohne mein Fenster zu verlassen' von 1947. Auch hier achtet Hervé auf eine strenge Bildgeometrie, der er oft mit einer starken, nicht selten mehrfachen Bearbeitung des Bildausschnitts nachhilft. Ein Verfahren, das er bei fast all seinen Bildern praktiziert.
Ein wunderbarer Bildband, verstärkt durch den hintergründigen und aussagekräftigen Text Beers, der große Lust vermittelt, die Hamburger Ausstellung zu besuchen.
Jasmin Oun