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Geschichten von Feuer und Eis

Autor: Byatt, Antonia
Titel: Geschichten von Feuer und Eis
Roman
Rezension: Geschichten von Feuer und Eis "Heiß und kalt", so ist einer der sechs Geschichten betitelt, die Antonia Byatt in ihrem Erzählband "Geschichten von Feuer und Eis" erzählt. Und eigentlich hätte diese schönste und längste Geschichte ebenfalls "Von Feuer und Eis" heißen können, denn sie erzählt von einer Eisprinzessin in einem nördlichen Königreich, die nur dann glücklich ist, wenn sie barfuß im Schnee tanzt. Doch als es Zeit ist, sich zu vermählen, verliebt sie sich in den Bewerber aus dem Wüstenkönigreich Sassanien. Seine gläsernen Geschenke, aus dem Sand der Wüste geboren, ähneln so sehr dem, was sie am meisten liebt: Eis. Sie zieht mit ihrem Mann gen Süden und zahlt den Preis für ihre Liebe: ein mattes Leben im verschatteten Palast. Doch die Liebe macht Unmögliches möglich. Der König, auch König der Glasbläser, schafft ihr ein Refugium, in dem sie ihr Leben und sie gemeinsam ihre Liebe leben können. Mit "Heiß und kalt" ist Byatt ein wunderbares Märchen gelungen, das von der Kraft der Liebe erzählt. Herrliche Bilder von Eislandschaften, filigrane Satzkonstruktionen, die mit der fragilen Gestalt der Prinzessin korrespondieren und die Spannung, wie die beiden Liebenden, die so unterschiedliche Elemente lieben, zueinanderkommen können, machen die Geschichte zu einem echten Lesevergnügen. Ebenfalls spannend zu lesen ist die erste, gleichfalls recht umfangreiche Geschichte "Krokodilstränen", in der eine Frau, deren Mann in einer Galerie an einem Herzinfarkt stirbt, die Chance zum Auf- und Ausbruch nutzt, und Hals über Kopf nach Südfrankreich reist. Sie trifft auf einen anderen Reisenden, der eine ähnlich geheimnisvolle Geschichte besitzt; unter der glühend heißen südlichen Sonne beginnt beider Schutzpanzer langsam zu schmelzen. Leider verzettelt sich Byatt zum Teil in ausufernden Beschreibungen, wie zum Beispiel als sie den Eindruck einer Ausstellung der Werke Sigmar Polkes auf ihre Protagonistin schildert: "Patricias Aufmerksamkeit war in Aufruhr wie Wasser, das in einer Kanne kocht, ein Strom steigender Strömungen, eine unruhige, zerfetzte Oberfläche, Einsaugen, Aufschäumen." Die vier weiteren Geschichten, die zum Teil gerade einmal sieben Seiten umfassen, haben mit den beiden beschriebenen eines gemeinsam: sie befassen sich in irgendeiner Form mit dem Elementaren des menschlichen Daseins. Der Liebe, dem Tod, den Mythen, der Angst vor dem Verlassensein, dem Vertrauen. Der englische Orginaltitel "Elementals. Stories of Fire and Ice" verweist bereits darauf. Leider gelingt es der Autorin nicht in allen Geschichten, den Leser in den Bann zu ziehen und das Elementare zu erschließen. Das liegt zum einen in der zum Teil zu detailverliebten, langatmigen Sprache, zum anderen auch an der Kürze der Geschichten selbst - so lassen sich Stoffe, wie die "Pennerin", nicht schlüssig entwickeln. Die Autorin: Antonia Byatt wurde 1936 geboren und erhielt bereits mehrere Literaturpreise, wie beispielsweise den Booker Prize und den Shakespeare Preis. 1999 wurde die Autorin von der Queen zum "Dame Commander of the British Empire" ernannt. Zuletzt erschien von ihr im Insel Verlag der Roman "Das Geheimnis des Biographen" (2001). Jasmin Oun
Infos: 2002, Insel Verlag, gebundene Ausgabe, 157 Seiten, ISBN 3458171258, EUR 18,90
Datum: 18.07.03
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