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Ein Freund der Erde

Autor: Boyle, Tom Coraghessan
Titel: Ein Freund der Erde
Roman
Rezension: Ein Freund der Erde Friends of the Earth, Greenpeace, Attac – sie alle konnten nicht verhindern, dass sich die Erde in eine unwirtliche Umwelthölle verwandelt. 2025 ist der Südwesten der USA ein von Stürmen und sintflutartigen Regenfällen heimgesuchtes Schlammgebiet, in dem die Menschen in undichten Hütten leben und zu verhindern suchen, dass ihr weniges Hab und Gut davon schwimmt. Doch glücklich, wer überhaupt eine eigene Hütte hat, so wie Ty Tierwater. Er lebt auf dem Anwesen des Mega-Popstars Maclovio Pulchris als Herr über eine Menagerie von Tieren, die zum Teil längst ausgestorben sind, etwa patagonische Füchse, Löwen oder Hyänen. Nach einem aufregenden Leben als Umweltterrorist, dem schmerzvollen Verlust seiner Tochter Sierra – umgekommen bei einer Baumbesetzung – und langen Jahren im Knast hat sich Ty gerade in seinem Lebensabend eingerichtet – als Ex-Frau Andrea in sein Leben zurückkehrt. Das anschwellende Unwetter spiegelt wieder, wie Tys Leben plötzlich wieder Fahrt aufnimmt. T.C. Boyles Roman "Ein Freund der Erde" spielt in der Zukunft, ist aber keine Science Fiction Story; er beschreibt die junge-alte Liebe zweier Jung-Alter, erzählt aber keine romantische Geschichte; er sieht Unheil voraus, ist aber nie schwarzmalerisch. Boyle erzählt in "Ein Freund der Erde" vielmehr in ironisch-süffisantem Ton wie die Geschíchte ausgeht, deren Anfänge wir gerade miterleben: die Vernichtung der Lebensgrundlagen auf der Erde. Gleichzeitig präsentiert er mit Ty Tierwater einen Protagonisten, dessen Leben dem Kampf gegen diese Vernichtung gewidmet ist. Dabei erzählt Boyle Tierwaters spannende Geschichte als Ich-Erzähler nicht nur in der Jetzt-Zeit (2025), sondern auch in der Dritten Person in Rückblicken auf dessen bewegtes Leben als Umweltterrorist, Vater und Ehemann. An Tierwater beschreibt er exemplarisch, wie die Gesellschaft die Erde in einen toten Fels und den Menschen in einen Radikalen verwandeln kann. Seine Motivation beschreibt Boyle selbst so: "I am depressed. I feel helpless. I ve read our major environmental writers and none of them offers a breath of hope. What to do? Write a fiction and try to sort out my own feelings." Das kann der Leser bei der Lektüre gleichfalls tun – und im selben Moment einen spannenden Roman genießen. Der Autor: Tom Coraghessan Boyle wurde 1948 in Peekskill, New York, geboren. Er studierte Englisch und Geschichte und promovierte über die Literatur Großbritanniens im 19. Jahrhundert. Seit 1978 lebt Boyle mit seiner Familie in Kalifornien und arbeitet als Professor für englische Literatur an der Universität of Southern California. Boyle erhielt für seine Werke bereits mehrere Auszeichnungen darunter den PEN/Faulkner-Preis für "Worlds End" und den Prix Medicis étranger für "The Tortilla Curtain". Sein Roman "Road to Wellville" wurde unter anderem mit Anthony Hopkins verfilmt. Jasmin Oun
Infos: März 2003, dtv, Taschenbuch, 355 Seiten, ISBN 3423130539, EUR 9,50
Datum: 16.10.03
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