| Autor: | de Winter, Leon |
|---|---|
| Titel: | Hoffmanns Hunger Roman |
| Rezension: |
Prag, 1989 - Felix Hoffman ist der neue niederländische Botschafter in dem osteuropäischen Land, das sich im Umbruch befindet. Seine Aufgabe ist nicht nur die Vertretung seines Landes, sondern auch die Unterstützung der Dissidenten dort. Doch Hoffman versagt, wie er bisher auf jedem diplomatischen Posten versagte. Sein Hunger, seine unstillbare Fresssucht, seine Schlaflosigkeit, seine Verzweiflung und seine Selbstaufgabe machen ihn handlungsunfähig. Hoffmans Hunger ist jedoch nicht nur physisch; er symbolisiert das tiefe Verlangen nach Erlösung von traumatischen Ereignissen und Verlusten, die sein Leben früh verändert haben, und nach Erkenntnis, philosophischer Sinngebung. Diesen Hunger sucht er während seiner nächtlichen Fressorgien mit intensiver Spinoza-Lektüre zu stillen. Auch den amerikanischen Touristen Freddy Mancini plagt des nachts unerträglicher Hunger. Er treibt ihn raus auf die Straßen Prags, auf der Suche nach einem noch geöffneten Restaurant. Doch ein solches erreicht er nie, denn er wird niedergeschlagen und ausgeraubt. Und kurz darauf beobachtet er eine Szene, die sein ganzes Leben verändern wird - und das Hoffmans ebenfalls: einer seiner Mitreisenden wird in ein Taxi gezerrt und entführt. Von nun an greift der US-Geheimdienst massiv in das Leben der beiden ein; ein Geflecht von Intrigen, Affären und Beziehungen zieht sich immer enger, vor allem um Hoffman, den Protagonisten des Romans.
In seinem großen Roman "Hoffmans Hunger" zeichnet Leon de Winter die Lebensgeschichte eines niederländischen Juden auf, der auf tragische Weise große Teile seiner Familie verloren hat. Er macht den Roman aber auch zu einem Dokument der inneren Zerrissenheit eines Menschen, die sich gleichzeitig in der äußeren Zerrissenheit der politischen Ereignisse spiegelt. Hoffmans Auseinandersetzung mit der Philosophie Spinozas wird von de Winter distanzierend und reflektierend auf die inneren wie die äußeren Verhältnisse bezogen und effektvoll immer wieder von den derben Schilderungen der hoffmanschen Stoffwechselproblemen unterbrochen. Das Geistige, die Philosophie unterliegt letztlich dem allzu Menschlichen.
Der Autor:
Leon de Winter wurde 1954 in s-Hertogenbosch als Sohn niederländisch-orthodoxer Juden geboren. Winter studierte an der Filmakademie in Amsterdam, die er ein Jahr vor dem Examen ohne Abschluss verließ, um mit Freunden eine Produktionsfirma zu gründen. De Winter schrieb verschiedene Drehbücher, die er teilweise auch selbst als Regisseur realisierte; sein erster Film "Die Grenze" lief 1984 im Hauptprogramm der Filmfestspiele von Cannes. Seit 1976 arbeitet de Winter als freier Schriftsteller, 1978 hatte er mit seinem ersten Roman "De (ver)wording van de jongere Dürer" einen großen Erfolg in den Niederlanden. 1990 veröffentlichte de Winter seinen Roman "Hoffmans Honger", den er ebenfalls selbst verfilmte und der 1994 auf deutsch erschien.
Jasmin Oun |
| Infos: | Sept. 1995, Diogenes Verlag, Zürich, 406 Seiten, ISBN 3257228317, EUR 10,90 . |
| Datum: | 22.10.03 |
| Link: | Beim Online-Buchhandel bestellen |
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Prag, 1989 - Felix Hoffman ist der neue niederländische Botschafter in dem osteuropäischen Land, das sich im Umbruch befindet. Seine Aufgabe ist nicht nur die Vertretung seines Landes, sondern auch die Unterstützung der Dissidenten dort. Doch Hoffman versagt, wie er bisher auf jedem diplomatischen Posten versagte. Sein Hunger, seine unstillbare Fresssucht, seine Schlaflosigkeit, seine Verzweiflung und seine Selbstaufgabe machen ihn handlungsunfähig. Hoffmans Hunger ist jedoch nicht nur physisch; er symbolisiert das tiefe Verlangen nach Erlösung von traumatischen Ereignissen und Verlusten, die sein Leben früh verändert haben, und nach Erkenntnis, philosophischer Sinngebung. Diesen Hunger sucht er während seiner nächtlichen Fressorgien mit intensiver Spinoza-Lektüre zu stillen. Auch den amerikanischen Touristen Freddy Mancini plagt des nachts unerträglicher Hunger. Er treibt ihn raus auf die Straßen Prags, auf der Suche nach einem noch geöffneten Restaurant. Doch ein solches erreicht er nie, denn er wird niedergeschlagen und ausgeraubt. Und kurz darauf beobachtet er eine Szene, die sein ganzes Leben verändern wird - und das Hoffmans ebenfalls: einer seiner Mitreisenden wird in ein Taxi gezerrt und entführt. Von nun an greift der US-Geheimdienst massiv in das Leben der beiden ein; ein Geflecht von Intrigen, Affären und Beziehungen zieht sich immer enger, vor allem um Hoffman, den Protagonisten des Romans.
In seinem großen Roman "Hoffmans Hunger" zeichnet Leon de Winter die Lebensgeschichte eines niederländischen Juden auf, der auf tragische Weise große Teile seiner Familie verloren hat. Er macht den Roman aber auch zu einem Dokument der inneren Zerrissenheit eines Menschen, die sich gleichzeitig in der äußeren Zerrissenheit der politischen Ereignisse spiegelt. Hoffmans Auseinandersetzung mit der Philosophie Spinozas wird von de Winter distanzierend und reflektierend auf die inneren wie die äußeren Verhältnisse bezogen und effektvoll immer wieder von den derben Schilderungen der hoffmanschen Stoffwechselproblemen unterbrochen. Das Geistige, die Philosophie unterliegt letztlich dem allzu Menschlichen.
Der Autor:
Leon de Winter wurde 1954 in s-Hertogenbosch als Sohn niederländisch-orthodoxer Juden geboren. Winter studierte an der Filmakademie in Amsterdam, die er ein Jahr vor dem Examen ohne Abschluss verließ, um mit Freunden eine Produktionsfirma zu gründen. De Winter schrieb verschiedene Drehbücher, die er teilweise auch selbst als Regisseur realisierte; sein erster Film "Die Grenze" lief 1984 im Hauptprogramm der Filmfestspiele von Cannes. Seit 1976 arbeitet de Winter als freier Schriftsteller, 1978 hatte er mit seinem ersten Roman "De (ver)wording van de jongere Dürer" einen großen Erfolg in den Niederlanden. 1990 veröffentlichte de Winter seinen Roman "Hoffmans Honger", den er ebenfalls selbst verfilmte und der 1994 auf deutsch erschien.
Jasmin Oun