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Die Herren des Hügels

Autor: Ammaniti, Niccolo
Titel: Die Herren des Hügels
Roman
Rezension: Die Herren des Hügels Irgendwo im südlichen Italien, auf dem Lande, da wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen. Es ist Sommer und es ist drückend heiß. Nur die Kinder wagen sich nach draußen, um zu spielen. Und in der Kindergang gibt es wie überall eine Hackordnung: Erst kommt Antonio, genannt der Totenkopf, dann Salvatore und erst dann der neunjährige Michele, dem immer seine fünfjährige Schwester Maria folgt, dann Remo und schließlich Barbara, das dicke Mädchen, das sich ganz unten in der Hierarchie behaupten muss. So gibt es viele Mutproben. So zum Beispiel bis zum alten Micheletti zu fahren, der angeblich seinen Dackel an die Schweine verfüttert haben soll. Bei diesem Ausflug entdecken die Kinder einen Hügel, bedeckt von einem wogenden Meer aus goldenem Korn. Die Erkundung wird zum Wettkampf, wer zuletzt oben ist, wird bestraft. Damit will Antonia wieder einmal Barbara demütigen, weil die ihn bei Micheletti verpetzt hat. Doch weil Maria sich den Fuß verstaucht hat, ist diesmal Michele der Letzte. Nun soll er als Strafe das halbverfallene Haus auf dem Hügel erkunden. Es ist ein gewagtes Unternehmen, denn der Boden sind morsch und alles ist so unheimlich. Michele muss das ganze Haus durchqueren, vorne zur Türe rein und hinten zum Fenster in den Hof wieder raus. Fast geht alles gut, doch auf den letzten Metern vom Fenster zum Baum fällt der Junge - und bricht sich nicht das Genick, sondern landet wie ein Wunder auf einem Wellblechdach. In dem Loch darunter erspäht Michele unter einem Haufen zusammengeklumpter Lumpen einen Jungen, der - wie er vermutet - tot ist. Seinen Freunden erzählt er davon nichts, sondern kommt tags darauf zum Hügel zurück, um die Sache zu untersuchen. Und muss feststellen, dass der Tote lebt. Michele gibt dem fremden Jungen zu trinken und zu essen. Er findet den Milchkrug seiner Familie im alten Haus. Vielleicht hat sein Vater etwas damit zu tun? Wer ist dieser Junge? Etwa sein Bruder? Da fängt der Junge an zu sprechen. "Hast du keine Angst vor dem Herr der Würmer?" Und: "Bist du mein Schutzengel?". Michele ist mehr als verwirrt. Derweilen nimmt die Spannung im heimatlichen Dorf Aqua Traversa immer mehr zu: Waren zunächst die Erwachsenen unsichtbar in dieser Welt der Kinder, so beschreibt Ammaniti ihr Auftreten in seiner Erzählung als bedrohlich. Micheles Vater, der Fernfahrer ist, kommt unerwartet mit seinem Laster nach Hause und fährt nicht mehr fort. Und er verspricht, das alles besser werden soll. Doch zunächst wird alles schlimmer: Es herrscht durch die Rückkehr des Vaters ein strenges Regiment in der Familie und nachts finden merkwürdige Treffen der Dorfbewohner in Micheles Küche statt. Dann hat sich auch noch Besuch angekündigt. Der unsympathische alte Mann soll ausgerechnet bei Michele übernachten. Der Junge belauscht eines Nachts die Gespräche der Erwachsenen und wird daraus nicht ganz schlau. Irgendwie scheint das ganze Dorf unter einer Decke zu stecken. Plötzlich sieht Michele das Bild des Jungen vom Hügel im Fernsehen. Schlagartig wird ihm klar: Der Junge ist entführt worden und es wurde Lösegeld gefordert. Doch irgend etwas schien schief gelaufen zu sein und nun wollen sie den fremden Jungen umbringen. Aber er hat ihm doch versprochen, ihn zu beschützen.... Niccolo Ammaniti erzählt diese fesselnde Geschichte einer Kindesentführung konsequent aus der Sicht eines Kindes: Unter der drückenden Glocke der Sommerhitze braut sich ein Unrecht zusammen, um Unrecht zu vergelten. Doch Michele widersetzt sich diesem Gesetz. Der Leser zittert mit dem Jungen vor Angst und begleitet ihn durch seine Phantasien über die "Herren des Hügels". Gefangen von den Landschaftsbildern und der drückenden Atmosphäre, gejagt durch die Streitereien der Erwachsenen, ist es schier unmöglich dieses Buch aus der Hand zu legen. Bis, ja bis das Kind den Bann bricht und durch Mut und Tapferkeit dem Drama eine Wendung gibt. Der Roman von Niccolo Ammaniti war 2001 das literarische Ereignis in Italien. Der Autor, 1966 in Rom geboren, gilt als "größtes Erzähltalent seiner Generation". Mit seinem Roman "Die Herren des Hügels", der 2001 mit dem Premio Viareggio ausgezeichnet wurde, gelang ihm auch der kommerzielle Durchbruch. Auf der Berlinale 2003 wurde im Wettbewerb die Verfilmung des Buches "I m not scared" (dt: "Ich habe keine Angst") gezeigt. Der Film von Gabriele Salvatores zeigt eine "Mischung aus Thriller und poetischem Kino", das auf Augenhöhe eines Kindes gedreht wurde (Bayerischer Rundfunk). Er zeigt, wie "eine Kindheit zu Ende geht und mit ihr das Urvertrauen in die Eltern und damit die Erwachsenen" (Stuttgarter Nachrichten). Kinostart in Deutschland: 18.12.2003. Heike Meyer
Infos: Feb. 2003, Bertelsmann, Übersetzer: Ulrich Hartmann, Originaltitel: Io non ho paura (Ich habe keine Angst), gebunden, 256 Seiten, ISBN: 3-570-00628-X, EUR 19,90
Datum: 12.01.04
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