bau-pr Logo
Der Redaktionsservice für die Branchen Bau, Haus- und Gebäudetechnik, Wohnen, Garten- und Landschaftsbau
 

Der Insektensammler

Autor: Deaver, Jeffrey
Titel: Der Insektensammler
Kriminalroman
Rezension: Der Insektensammler Irgendwo passiert ein Mord und natürlich muss es der geistig zurückgebliebene Außenseiter gewesen sein. Oder? Jeffrey Deaver spielt in seinem neuen Krimi "Der Insektensammler" wieder einmal virtuos mit unseren Vorurteilen, den negativen wie auch den positiven. Stimmt die Theorie? Wer ist denn nur tatsächlich der Böse? Und: Wird das Gute gewinnen? Aber zunächst die Geschichte: Eigentlich hatte sich Lincoln Rhyme nach North Carolina begeben, um sich in einer Spezialklinik einer komplizierten Operation zu unterziehen. Lincoln Rhyme ist - wer es noch nicht weiß - das Superhirn der New Yorker Polizei, seit einem Dienstunfall jedoch fast vollständig gelähmt und hofft mit dem Eingriff, einen Teil seinen Bewegungsfähigkeit wieder zu erlangen. Mit ihm reist Amelia Sachs, die mehr als nur Assistentin und Freundin ist. Völlig unerwartet wird das Ermittler-Duo in die Ermittlungen in einem Entführungsfall, im nahe gelegenen Paquenoke-Sumpf, hineingezogen. Der örtliche Sheriff bittet Lincoln und Amalia um Hilfe: Am Morgen wurde einen Jogger überfallen und mit einer Schaufel erschlagen und die junge Mary Beth, die im Sumpf archäologische Grabungen durchführte, gekidnappt. Im Verdacht steht Garett Hanlon, ein sonderbarer Teenager, der seit dem Tod seiner Eltern bei einer Pflegefamilie wohnt. Er wird "Insektensammler" genannt, weil er sich mit giftigen Insekten beschäftigt. Und auch sonst traut man dem Jungen alles zu: Wahrscheinlich habe Garrett das Mädchen bereits vergewaltigt und getötet, schlussfolgert der Sheriff. Das Situation eskaliert als auch noch eine Krankenschwester entführt und ein Polizist an den Folgen von Insektenstichen stirbt. Rhyme und Sachs machen Garett durch ihre analytische Vorgehensweise ziemlich schnell ausfindig. Dieser wird ins Gefängnis geworfen, schweigt jedoch dazu, wo er seine Geiseln versteckt hat. Da braucht es erst eine Frau, die sich bemüht, sich mehr und mehr in den jungen Straftäter hineinzuversetzen. Intiuitiv ahnt sie, dass hinter seinem Verhalten nicht Wahnsinn sondern panische Angst steckt. Inzwischen hat sich eine Bürgerwehr formiert, die versucht, die Sache in die Hand zu nehmen und gewaltsam gegen Garrett vorzugehen. Amelia Sachs sieht keinen anderen Ausweg und flieht kurz entschlossen mit Garrett zurück in die Sümpfe. Auf dem Weg zum Versteck der Geiseln werden die beiden sowohl von der Polizei als auch der Bürgerwehr verfolgt. Auf der Flucht erschießt sie einen jungen Polizisten in Notwehr - doch das glaubt ihr keiner. Rhyme ist wie vor den Kopf geschlagen, dass Amelia die Seiten gewechselt hat und bleibt ratlos zurück. Nun liegt es an ihm, sowohl Amalias als auch Garatts Unschuld zu beweisen. Er ahnt, dass er bei seinen Nachforschungen wohl weit in der Vergangenheit ansetzen muss. Bei seinen Recherchen stößt er bald auf Ungereimtheiten über den Tod von Garetts Familie. Doch kaum einer ist davon erfreut, dass die Wahrheit ans Licht kommen könnte. Im gesamten Ort möchte man Rhyme plötzlich liebend gern vom Hals haben. In seiner Not wendet er sich an den Sheriff, Jim Bell. Doch ist dieser tatsächlich vertrauenswürdig? Fieberhaft brütet der Leser unwillkürlich über der Vielzahl an Details, die der Autor unablässig liefert, um dem Rätsel auf die Spur zu kommen. Schade nur, dass die eigentliche Auflösung dann so kurz abgehandelt wird, nachdem zuvor jedes Detail zehn Mal besprochen wurde. Und ungewöhnlich auch, dass Rhyme plötzlich von logischen Beweisen auf Intuition gefühlsinitiierte umschwenkt. Wo bleibt da die Glaubwürdigkeit? Etwas lächerlich ist auch, dass sich die Schuldigen dann als absolute Plaudertaschen erweisen und alle fehlenden Fakten zu dem Puzzle frei Haus liefern. Der Griff in die Öko-Thriller-Kiste ist ebenfalls etwas unausgereift. Doch alles in allem: Jeffrey Deavers Krimi bleibt spannend bis zuletzt. Es gibt immer neue Erkenntnisse und Wendungen und nichts ist so, wie es zunächst scheint. Der Autor liefert mindestens drei glaubhafte Schurken, um dann zu enthüllen, dass es jemand ganz anderes war. Wer sich durch die vielen Personen und Fakten der langatmigen Anfangskapitel gekämpft hat, den packt plötzlich die Story so sehr, dass man das Buch einfach zu Ende lesen muss, und sei es bis zum nächsten Morgengrauen. Also Achtung: Das Buch nur zur Hand nehmen, wenn viel Zeit zur Verfügung steht. Heike Meyer Über den Autor Jeffery Deaver gilt als einer der weltweit besten Autoren intelligenter psychologischer Thriller. Seit seinem ersten großen Erfolg als Schriftsteller hat er sich aus seinem Beruf als Rechtsanwalt zurückgezogen und lebt nun abwechselnd in Virginia und Kalifornien. Seine Bücher wurden in 12 Sprachen übersetzt und haben ihm bereits zahlreiche renommierte Auszeichnungen eingetragen. Die kongeniale Verfilmung seines Romans "Die Assistentin" unter dem Titel "Der Knochenjäger" (mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen) war weltweit ein sensationeller Kinoerfolg und hat dem faszinierenden Ermittler- und Liebespaar Lincoln Rhyme und Amelia Sachs eine riesige Fangemeinde erobert.
Infos: August 2001, Blanvalet, gebunden, 480 Seiten, Übersetzer: Hans-Peter Krafft, Originaltitel: The Empty Chair, ISBN: 3764501286, EUR 22,- oder Mai 2003, Goldmann, Taschenbuch, ISBN: 3442359058, EUR 8,90
Datum: 20.01.04
Link: Beim Online-Buchhandel bestellen
Zur Liste Zur Liste