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Die Zeit und das Glück

Autor: de Crescenzo, Luciano
Titel: Die Zeit und das Glück
Roman
Rezension: Die Zeit und das Glück Ein römischer Autor wird durch archäologische Grabungen am Nerva Forum in der italienischen Hauptstadt inspiriert - warum sollten nicht auch im Keller seines wenige Meter entfernten Hauses Schätze verborgen sein? Er geht der Sache mit einer Schaufel und Spitzhacke auf den Grund und findet tatsächlich eine Truhe mit alten Papyrusrollen. Mit Hilfe seiner neugewonnen Bekannten - von Beruf Archäologin - Alessia und deren Verlobtem Professor Carloni - einem hochmoralischen Papyrusgelehrten - gelingt es, die Herkunft der alten Schriftstücke zu enträtseln: Es handelt sich um den Briefwechsel des römischen Philosophen Seneca mit seinem Freund Lucilius. Es folgen nun in kontinuierlichem Wechsel die Briefe Senecas an Lucilius und dessen Antworten. Die Themen ihres schriftlichen Austauschs finden der antike Römer und sein sizilianischer Freund in alltäglichen, aber auch philosophischen Dingen. So lauten die Überschriften "Über die Angst", "Über die Eitelkeit", "Über die Versuchung" oder "Über die Form". Über die Lektüre der gefundenen Briefe entspinnt sich zwischen dem römischen Zeitgenossen und Alessia jeweils ein Dialog, manchmal auch eine Diskussion, in der das jeweilige Thema in die Moderne transportiert und unter aktuellen Gesichtpunkten aufgearbeitet wird. Wie in der Vergangenheit, bemüht sich der Autor de Creszenzo dem heutigen Leser die antiken Autoren auf unterhaltsame Art näher zu bringen. Dieses Mal hat er den römischen Philosophen der Kaiserzeit (1. Jhh. n. Chr.) Seneca gewählt. Von ihm existieren tatsächlich moralische Briefe, die jedoch wohl weniger an einen realen Adressaten gerichtet als mehr zur Veröffentlichung gedachte Kunstbriefe waren. De Crescenzo erfindet einfach den fehlenden Adressaten und dessen Antworten auf die stoisch geprägten Episteln gleich dazu. Das witzige und anregende Konzept des Buches leidet im Verlauf an der sich wiederholenden Struktur der Rahmenhandlung: Immer ist es der ältere, erfahrene Autor, der der jungen und hübschen Alessia erklärt, wie sich die Welt damals und heute verhält. In eitler Manier und mit dozierendem Tonfall werden so allerlei Ratschläge nicht nur in Sachen Geschichte und Philosophie, sondern auch bezüglich des Lebens im Allgemeinen, der Liebe im Besonderen und der Heirat in Ausnahmefällen erteilt. Fazit: Das erste Drittel liest sich durchaus vergnüglich, das zweite etwas gezwungen und auf das dritte kann man eigentlich verzichten. Der Autor: Luciano de Creszenzo wird als "Neapolitaner von Beruf und Philosoph von Berufung" beschrieben. De Creszenzo arbeitete zunächst als Ingenieur bei IBM bis sein erstes Buch "Also sprach Bellavista" ein großer Erfolg wurde. Seine bisher 26 Bücher wurden allesamt internationale Bestseller. Jasmin Oun
Infos: Originaltitel: Il Tempo e la Felicita, Aus dem Italienischen von Bruno Genzler, Hardcover: 2000, Albrecht Knaus Verlag, ISBN 3-8135-0132-9, EUR 18,00, Taschenbuch: 2002, btb Goldmann, ISBN: 3-4427-2963-7, EUR 9,00
Datum: 08.07.04
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