| Autor: | Hein, Christoph |
|---|---|
| Titel: | In seiner frühen Kindheit ein Garten Roman |
| Rezension: |
"Die namentlich genannten Personen des Romans sind frei erfunden" - für die Namen der Protagonisten in Christoph Heins jüngstem Roman "In seiner frühen Kindheit ein Garten" mag das zutreffen, für die Personen sicher nicht. Um wen es hier geht, wird schnell klar, wenn man sich die jüngste Geschichte in Erinnerung ruft: 1993, Showdown einer Terroristenhatz am Bahnhof von Bad Kleinen.
Was fühlen die Eltern eines derart ums Leben gekommenen Terroristen? Wie gehen sie mit der Geschichte ihres Kindes um? Was macht diese Geschichte mit ihnen? Was mit der Familie? Was machen die Medien aus ihnen? Und: Wie verändert es ihr Verhältnis zum Rechtsstaat, dem ihr Sohn den Kampf angesagt hatte? Das sind die Themen, die Hein am Beispiel der Familie Richard und Frederike Zureck, den Eltern des in Kleinen umgekommenen Terroristen Oliver Zureck, durchspielt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Lügt ein Staat, um sich und seine Organe vor Beschädigung zu schützen und welche Konsequenz müssen die Betroffenen daraus ziehen? Der ehemalige Schuldirektor, Beamte und Staatsdiener Zureck zieht die eindeutige Konsequenz, nachdem er versteht, dass im Rechtstaat mit rechtlichen Mitteln kein Recht zu erhalten ist: Er nimmt seinen vor Jahrzehnten geleisteten Amtseid zurück.
Die Geschichte Oliver Zurecks erzählt Hein auf sehr persönliche Weise: aus der Sicht seiner Eltern. So entsteht auch der Titel des Romans "In seiner frühen Kindheit ein Garten". Denn dies ist eine der prägendsten und präsentesten Erinnerungen der Familie an den verlorenen Sohn: Er spielte mit seiner Schwester Christin im Garten. Da waren beide ein Herz und eine Seele. Heute ist Christin Lehrerin in Hamburg, stolz auf ihren geleisteten Amtseid, und verheiratet mit einem Unternehmensberater, dem die terrosimusschwangere Verwandschaft aus beruflichen Gründen Sorge bereitet. So wird aus der engsten Bezugsperson des Jungen Oliver das personifizierte Feindbild des Terroristen - ein Familiendrama im Drama. Doch die heile Familienfassade der Zurecks hat bereits viel früher einen Sprung bekommen; nach und nach erfährt der Leser beispielsweise von dem Verhältnis des Schuldirektors mit der Mutter eines Schülers.
Zwar lässt Hein in seinem jüngsten Werk die sprachliche Präzision und inhaltliche Stringenz seiner früheren Romane vermissen, doch diesmal schlägt er sich auf die Seite seiner Protagonisten, statt wie bisher den distanzierten Beobachter zu geben. Dadurch erhält der Roman eine spannende Innensicht, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält, mehr noch: die berührt.
Der Autor: Christoph Hein wurde 1944 in Schlesien geboren und wuchs in der Nähe von Leizig auf. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Berlin. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Schiller-Gedächtnis-Preis, ausgezeichnet. Im Suhrkamp Verlag sind von ihm unter anderem die Romane "Landnahme" und "Willenbrock" sowie Bände mit Essays und Erzählungen erschienen.
Jasmin Oun
Weitere in bau-pr.de vorgestellte Werke (Archiv):
Landnahme
Das Napoleonspiel
|
| Infos: | Suhrkamp Verlag, 2005, gebunden, 271 Seiten, ISBN 3-518-41667-7, 17,90 Euro |
| Datum: | 07.03.05 |
| Link: | Beim Online-Buchhandel bestellen |
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"Die namentlich genannten Personen des Romans sind frei erfunden" - für die Namen der Protagonisten in Christoph Heins jüngstem Roman "In seiner frühen Kindheit ein Garten" mag das zutreffen, für die Personen sicher nicht. Um wen es hier geht, wird schnell klar, wenn man sich die jüngste Geschichte in Erinnerung ruft: 1993, Showdown einer Terroristenhatz am Bahnhof von Bad Kleinen.
Was fühlen die Eltern eines derart ums Leben gekommenen Terroristen? Wie gehen sie mit der Geschichte ihres Kindes um? Was macht diese Geschichte mit ihnen? Was mit der Familie? Was machen die Medien aus ihnen? Und: Wie verändert es ihr Verhältnis zum Rechtsstaat, dem ihr Sohn den Kampf angesagt hatte? Das sind die Themen, die Hein am Beispiel der Familie Richard und Frederike Zureck, den Eltern des in Kleinen umgekommenen Terroristen Oliver Zureck, durchspielt. Im Mittelpunkt steht die Frage: Lügt ein Staat, um sich und seine Organe vor Beschädigung zu schützen und welche Konsequenz müssen die Betroffenen daraus ziehen? Der ehemalige Schuldirektor, Beamte und Staatsdiener Zureck zieht die eindeutige Konsequenz, nachdem er versteht, dass im Rechtstaat mit rechtlichen Mitteln kein Recht zu erhalten ist: Er nimmt seinen vor Jahrzehnten geleisteten Amtseid zurück.
Die Geschichte Oliver Zurecks erzählt Hein auf sehr persönliche Weise: aus der Sicht seiner Eltern. So entsteht auch der Titel des Romans "In seiner frühen Kindheit ein Garten". Denn dies ist eine der prägendsten und präsentesten Erinnerungen der Familie an den verlorenen Sohn: Er spielte mit seiner Schwester Christin im Garten. Da waren beide ein Herz und eine Seele. Heute ist Christin Lehrerin in Hamburg, stolz auf ihren geleisteten Amtseid, und verheiratet mit einem Unternehmensberater, dem die terrosimusschwangere Verwandschaft aus beruflichen Gründen Sorge bereitet. So wird aus der engsten Bezugsperson des Jungen Oliver das personifizierte Feindbild des Terroristen - ein Familiendrama im Drama. Doch die heile Familienfassade der Zurecks hat bereits viel früher einen Sprung bekommen; nach und nach erfährt der Leser beispielsweise von dem Verhältnis des Schuldirektors mit der Mutter eines Schülers.
Zwar lässt Hein in seinem jüngsten Werk die sprachliche Präzision und inhaltliche Stringenz seiner früheren Romane vermissen, doch diesmal schlägt er sich auf die Seite seiner Protagonisten, statt wie bisher den distanzierten Beobachter zu geben. Dadurch erhält der Roman eine spannende Innensicht, die den Leser von der ersten bis zur letzten Seite in Atem hält, mehr noch: die berührt.
Der Autor: Christoph Hein wurde 1944 in Schlesien geboren und wuchs in der Nähe von Leizig auf. Er lebt heute als freier Schriftsteller in Berlin. Sein Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter dem Schiller-Gedächtnis-Preis, ausgezeichnet. Im Suhrkamp Verlag sind von ihm unter anderem die Romane "Landnahme" und "Willenbrock" sowie Bände mit Essays und Erzählungen erschienen.
Jasmin Oun
Weitere in bau-pr.de vorgestellte Werke (Archiv):
Landnahme
Das Napoleonspiel