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Die Schönheitslinie

Autor: Hollinghurst, Alan
Titel: Die Schönheitslinie
Roman
Rezension: Die Schönheitslinie

Nick Guest, ein junger, erfolgreicher Oxford-Absolvent, kommt im Sommer 1983 nach London, um über das Thema Stil bei Henry James zu promovieren. Bei den Eltern seines besten Freundes aus Universitätszeiten, Toby Fedden, kommt er in einer kleinen Kammer im Dachgeschoss unter. Was eng und muffig klingt, ist in Wahrheit für Nick die große Welt: Gerald Fedden ist aufstrebender Tory-Abgeordneter, in seinem Haus gehen die Größen der Londoner Gesellschaft, bis hin zu Maggie Thatcher, ein und aus. Nick, als Freund der Familie, ist immer dabei. Doch nicht nur das Leben im Haus der Feddens ist für Nick aufregend und neu, in London erlebt er endlich sein Coming out: das erste Mal Sex mit einem schwulen Lover. Fortan steht Sex für Nick im Mittelpunkt und er ist überglücklich, als sich eine Beziehung mit einem schon lange angehimmelten Ex-Kommilitonen aus der besten Gesellschaft entwickelt. Den Kick finden Nick und sein Freund Wani jedoch bald nicht mehr nur beim Sex, sondern vor allem beim Koksen. Nick beginnt ein Doppelleben - einerseits muss seine Beziehung zu Wani geheim bleiben, bei dem er offiziell als Redakteur und Drehbuchautor angestellt ist, andererseits gilt es, den ständig steigenden Kokain-Konsum zu verheimlichen. Alles geht so lange gut, bis sich das eigene Doppelleben mit dem anderer kreuzt. Nun muss Nick feststellen, dass auch die langjährige Freundschaft mit den Feddens nichts an seinem eigentlichen Status geändert hat: Sie gehören zur Gesellschaft, haben Macht, er nicht. "Die Schönheitslinie" ist Alan Hollinghursts vierter Roman, der ihm den großen Erfolg brachte: Hollinghurst wurde dafür mit dem Booker Prize 2004 ausgezeichnet. Der Roman entwirft ein Portrait der Londoner Gesellschaft der Thatcher-Ära: festgefügte Klassenschranken, viel Geld und Macht für wenige, mehr Existenzkampf für den Rest. Der Protagonist Nick Guest ist als sprichwörtlicher Gast in die gute Gesellschaft eingeladen. So lange er sich den ehernen Regeln und Gesetzen fügt und den ihm zugewiesenen Platz nicht verlässt, darf er teilhaben an den Vergnügungen und Vergünstigungen dieses gesellschaftlichen Lebens. Doch Nick will mehr - er will seinen Spaß und er will dazugehören. Scheint die Beziehung mit Wani, dessen Vater zum Lord ernannt wird, ihn weiter aufrücken zulassen, erweist sie sich für ihn bald als tragischer Wendepunkt. Denn die Gesellschaft lässt sich nicht ungestraft den Spiegel vorhalten - schon gar nicht von einem Außenseiter. "Die Schönheitslinie" ist jedoch nicht nur ein Sittenbild der britischen upper class, sondern auch eine schwule Entwicklungsgeschichte. Zwar hat in den frühen 80ern noch kaum jemand von dem mysteriösen Virus gehört, das sich vor allem in den homosexuellen Kreisen ausbreitet. Doch bald ist es nicht mehr zu übersehen - und macht auch vor der feinen Gesellschaft nicht halt. Mit feiner Ironie und einem sehr "britischen" Tonfall beschreibt Hollinghurst in "Die Schönheitslinie" nicht nur die Ausschweifungen seines Protagonisten - für den er eine große Symphatie spüren lässt -, sondern auch die Un- und Doppelmoral der feinen Londoner Gesellschaft. Ein durch und durch lesenswerter Roman! Alan Hollinghurst, Jahrgang 1954, war von 1982 bis 1995 Kritiker für die Literaturbeilage der Times. Er gilt als einer der bedeutendsten Gegenwartsautoren Großbritanniens; alle seine Romane wurden mit Literaturpreisen ausgezeichnet. Für "Die Schönheitslinie" erhielt er 2004 den Booker-Preis. "Selten ist die Suche nach Liebe, Sex und Schönheit so exquisit in Romanform gegossen worden", lautete die Begründung der Booker-Jury. Jasmin Oun
Infos: Blessing, 2005, gebunden, 571 Seiten, ISBN 3 89667 282 7, 22,90 Euro
Datum: 13.01.06
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