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Ein Freund des Verblichenen

Autor: Andrej Kurkow
Titel: Ein Freund des Verblichenen
Roman
Rezension: Ein Freund des Verblichenen
Obwohl der Ich-Erzähler Tolja behauptet: "Ich war kein Typ für Selbstmord", handelt Kurkows Roman "Ein Freund des Verblichenen" von dem Versuch, sich selbst umzubringen - zu lassen. Denn wer kein Typ für einen Selbstmord, aber seines Lebens überdrüssig ist, dem bleibt schließlich noch die Möglichkeit, die unangenehme Angelegenheit gegen Geld einem Killer zu überlassen. Genau dies tut der Anti-Held Kurkows, nachdem ihn seine Frau verlassen hat und er alleine und ohne Arbeit in seiner zugigen Ein-Raum-Wohnung irgendwo in Kiew lebt. Dazu kam: "Der Ruhm, den das Opfer eines Auftragsmordes genießt, kitzelte meine Nerven." Also nimmt Tolja durch einen Schulfreund, mit dem er hin und wieder Wodka trinkt, Kontakt zu einem Profi-Killer auf. Doch die tödliche Verabredung platzt und Tolja nutzt die Zeit seines nun "außerplanmäßigen Lebens" dazu, eine junge Prostituierte aufzugabeln und mit nach Hause zu nehmen. Plötzlich erwacht sein Lebenswille wieder - und der Killer muss abbestellt werden. Leider ist dessen Ehrgeiz nach dem ersten verpatzten Anlauf erwacht und der Killer ist nur durch einen Mord zu stoppen. In der Jackentasche des ermordeten Mörders findet Tolja das Bild von Frau und Kind des Toten, zu denen er - zuerst nur auf Grund seines schlechten Gewissens - Kontakt aufnimmt. Und plötzlich gibt es wieder mehrere Gründe, leben zu wollen... Das Thema "I hired a contract killer", das Kurkow in diesem Roman aufgreift, ist spätestens seit dem gleichnamigen Kaurismäki-Film bekannt. Kurkow gelingt es trotzdem, daraus etwas Neues zu machen. Indem er das Opfer zum Quasi-Täter macht und sein Leben mit dem des toten Killers verknüpft, bekommt die ohnehin pikante Geschichte einen zusätzlichen, allerdings sehr melancholischen Reiz. Kurkow versteht es jedoch ausgezeichnet, dieser Situation eine eigene Komik abzugewinnen und mit seinem trockenen Humor der Geschichte durchaus ein Happy End zu verpassen. Andrej Kurkow wurde 1961 in St. Petersburg geboren und wuchs in Kiew auf. Dort studierte er am Fremdspracheninstitut - Kurkow spricht elf Fremdsprachen -, um eine Diplomatenkarriere einzuschlagen, was allerdings misslang. Nach einer Zeit als Redakteur, einem Gefängniswärterjob beim Militär arbeite er als Kameramann und begann Drehbücher zu schreiben. Seither erschienen 17 Filme nach seinen Drehbüchern, er veröffentlichte vier Kinderbücher und vier Romane. Seinen größten Erfolg feierte Kurkow, der Mitglied des englischen PEN-Clubs ist, in Deutschland mit "Picknick auf dem Eis" (Diogenes 1999). Für das Drehbuch zu "Ein Freund des Verblichenen" erhielt Kukrow den ersten Preis des Moskauer Filmfestes und eine Nominierung beim Berliner Felix-Preis in der Kategorie "Bester europäischer Drehbuchautor". Kurkow versteht sich selbst als postsowjetischer Schriftsteller, denn "...fast immer entdecke ich in meinen Reaktionen und Gedanken Spuren meines Sowjetischseins, so wie Spuren eines geistigen Gifts." Jasmin Oun
Infos: Diogenes, 2003, broschiert, 141 Seiten, ISBN 3257233671, 7,90 Euro
Datum: 17.02.06
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