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Feuerspiele

Autor: Andrzej Szczypiorski
Titel: Feuerspiele
Roman
Rezension: Feuerspiele

Der Pole Jan sitzt in einem Sessel auf dem Dachboden seines Hauses und versinkt in Trauer und düstere Erinnerungen an die Vergangenheit. Nachdem seine Frau Monika gestorben ist, erhält das Gestern für ihn neue Präsenz – der Krieg und seine Schuld, seine Versäumnisse. Jan gibt sich seinen Wachträumen, eher Alpträumen, hin. Doch die Vergangenheit ist lebendig und zwar in Gestalt der damals Verantwortlichen. Ihnen begegnet Jan erneut, als er sich mit dem befreundeten Galeristen Laski auf die Reise in den verschlafenen, deutschen Kurort Bad Kranach macht. Dort soll eine Kunstausstellung für Furore sorgen; mit von der Partie sind auch eine Reihe der Kriegsverbrecher, die Jan in seinen Alpträumen begegnet sind. Doch die Organisatoren des Events, der amerikanische Milliardär Graham Wilson III. sowie der russische Fürst Kyrill, haben anderes im Sinn, als reinen Kunstgenuss zu schenken: Sie planen einen groß angelegten Versucherungsbetrug. Am Ende verschlingen die Flammen mehr als sie sollten, Jan jedoch entkommt wie durch ein Wunder. Das reinigende Fegefeuer – so mutet die Schlussequenz in Szczypiorskis letztem Roman „Feuerspiele“ an; eine Szene von großer Kraft. Alte und neue Verbrecher werden zu Opfern, den Opfern gelingt die Flucht. Insgesamt bietet das Werk jedoch keine leichte Lektüre: Die beiden Erzählstränge um den Polen Jan und seine Kriegserinnerungen sowie um die Planung und Organisation des Bad Kranacher Events verlaufen wenig klar umrissen, mäandern, treffen sich, verlieren sich, um dann zu einem klaren und konsequenten Ende zu führen. Unter der Erzählstruktur leiden auch die Protagonisten: Keiner von ihnen gewinnt eine eindeutige Kontur, alles bleibt seltsam unscharf und distanziert. Andrzej Szczypiorski wurde 1924 in Warschau geboren. Als Kämpfer des Warschauer Aufstandes verschleppten ihn die Deutschen ins KZ Sachsenhausen, wo er auch die deutsche Sprache lernte. Nach dem Krieg arbeitete er als Rundfunkjournalist und war nach dem Sturz der Stalinisten 1956 zwei Jahre lang Presse- und Kulturattaché in Kopenhagen. Zurück in der Heimat entschied er sich für das freie Schriftstellertum, wurde jedoch bald verboten. Um zu überleben, veröffentlichte er Krimis und Jugendbücher. Sein "echtes" Werk zirkulierte als Fotokopien im Untergrund. Im Westen wurde Szczypiorski durch seine Romane "Die schöne Frau Seidenman" und "Eine Messe für die Stadt Arras" bekannt. 1991 ließ Szczypiorski sich in den ersten freien polnischen Senat wählen, dem er zwei Jahre angehörte. Szczypiorski starb am 16. Mai 2000 in Warschau, kurz nach Erscheinen seines letzten Romans "Feuerspiele". Jasmin Oun
Infos: 2002, Diogenes, broschiert, 362 Seiten, ISBN 3257233272, EUR 11,90
Datum: 09.02.07
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