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Vincent

Autor: Goebel, Joey
Titel: Vincent
Roman
Rezension: Vincent

Nur einsame, leidende Künstler bringen wirklich Großes hervor. Um also diese wahnwitzige Theorie in die Realität umzusetzen, und damit wieder wirkliche Kunst geschaffen wird, muss eine neue Künstlergeneration herangezüchtet werden, die unentwegt gequält wird. Foster Lipowitz, ein Medienmogul, der langsam vom Krebs aufgefressen wird, will der Welt als Wiedergutmachung und Vermächtnis wieder wahre Kunst schenken. Deshalb fasst er einen perfiden Plan und gründet eine Eliteschule, New Renaissance, in der begabte Schüler zu Künstlern herangezogen werden. Den Begabtesten unter ihnen wird ein Schutzengel oder vielmehr ein "Schwarzer Engel" zur Seite gestellt, um deren Leben in die nötigen Bahnen zu lenken. So ist es Harlan Eiffler, der Ich-Erzähler der Story, der den Auftrag erhält, Vincent Spinetti zu betreuen. War das Leben von Vincent, einem schreibbegabten Wunderkind aus armen Verhältnissen, bis dato vielleicht nicht das Glücklichste, so verfolgt ihn nun ab seinem siebten Lebensjahr das geplante Unglück. Und Harlan Eiffler erweist sich als sehr kreativ in seinem Job. Vincent erlebt eine Tragödie nach der anderen: Es stirbt der geliebte Hund, seine Mutter verschwindet ohne ihn, es wird eine unheilbare Krankheit bei ihm festgestellt und eine längere Beziehung ist ihm auch nicht vergönnt. Doch je tiefer sein Kummer, desto größer sein künstlerischer Output. Dabei ist Vincent nicht die einzige tragische Figur in der Geschichte: Foster Lipowitz, der sein Leben lang dem Geld nachgehechtet und mit der Produktion von seichtem Schrott reich geworden ist und jetzt kurz vor seinem Ende noch eine Kehrtwende vollziehen will; Vincents Mutter, die mit jedem Idioten ein Kind zeugt, der ihr über den Weg läuft; Harlan, ein gescheiterter Musiker und Silvain, ein Action-Held, der nach einem Stunt ein Bein und damit seine Karriere verlor… Doch funktioniert das System tatsächlich so? Kann durch gezieltes Quälen eines Künstlers „Torture the Artist“ wie es im Originaltitel heißt – tatsächlich Kunst geschaffen werden? Bitterböse ist die von Joey Goebel erdachte Satire, zum Teil beklemmend, faszinierend, fesselnd, witzig, rührend. Sie hält der Welt den Spiegel vor und entlarvt sie am Ende als Bühne der inhaltslosen Popindustrie. Joey Goebel hat mit "Vincent" ein Werk hingelegt, das sein Erstlingswerk "Freaks" weit in den Schatten stellt. Es hat Drive, ist flüssig geschrieben und großartig von der ersten bis zur letzten Seite konzipiert. Ein Buch, das einen nicht mehr loslässt. Der Autor: Joey Goebel wurde 1980 in Henderson, Kentucky, geboren. Mit fünf Jahren schrieb er seine erste Story, erträumt sich jedoch bald ein Leben als Punkrocker. Als Leadsänger der Punkrockband "The Mullets" tourte er dann fünf Jahre lang durch den Mittleren Westen bis nach Los Angeles. Joey Goebel hat einen B.A. in Anglistik vom Brescia College in Owensboro, Kentucky. Heike Meyer

Infos: April 2007, Diogenes, engl. Originaltitel "Torture the artist", broschiert, 448 Seiten, ISBN 3257236476, 9,90 EURO
Datum: 23.11.07
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