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Der Bademeister

Autor: Hacker, Katharina
Titel: Der Bademeister
Roman
Rezension: Der Bademeister

Stark, aufrecht und intensiv

 

Ein Bademeister ohne Schwimmbad ist wie… ein Fisch auf dem Trockenen. Lebensunfähig, verzweifelt, dem Tode geweiht. So ergeht es dem Protagonisten in Katharina Hackers Debütroman „Der Bademeister“. „Sein“ Schwimmbad am Prenzlauer Berg wurde wegen Baufälligkeit geschlossen. Der Putz bröckelt von den Wänden, die Installationen sind marode, das Personal hat das Weite gesucht. Während draußen die Wendezeit die Menschen mitreißt, reißt der Verfall hier diejenigen zu Boden, denen die Welt draußen fremd geworden ist. Der arbeitslose Bademeister, der sich draußen noch nie zurecht gefunden hat, beschließt, das Bad nicht mehr zu verlassen. Er bleibt als einziger, bekämpft eine Zeitlang noch den Zerfallsprozess durch putzen, fegen, wischen. Gleichzeitig rekapituliert er seine Vergangenheit: eine unglückliche Kindheit mit einem Vater, der eine dunkle Geschichte besitzt und bald Selbstmord verübt, eine dominante Mutter, verpasste Chancen, fehlendes Selbstertrauen, mangelnder Wille zur Anpassung, Einzelgängertum. Schon lange ist das Schwimmbad letzte Zuflucht und Heimat. Auch wenn die Geschichte des Bades selbst dunkel ist: Der Vorgänger des Bademeisters wurde abgeholt und tauchte nie wieder auf, Gerüchte über versteckte Mikrophone kursierten. Und während des Nationalsozialismus war das Volksbad zu Zwecken missbraucht worden, über die nie jemand zu sprechen wagte.

 

Katharina Hackers „Der Bademeister“ ist ein großer innerer Monolog eines verzweifelten Menschen, eines Gescheiterten. Er gibt die Lebensgeschichte des Ich-Erzählers wider, die sich in den Zeitläuften der deutschen Geschichte spiegelt. Der Vater, der an seiner Nazivergangenheit scheitert, und damit auch noch den Sohn, dem ein Studium verwehrt wird, ins Unglück reißt. Der Sohn, der schon in der geordneten Welt der DDR keinen Halt – außer im Schwimmbad – findet und dem die Umstürze der Wendezeit endgültig den Boden unter den Füßen wegreißen. Ein wortkarger Außenseiter, der in seinem eigenen Kosmos „Volksbad“ lebt und in dessen Welt niemand wirklich eine Rolle spielt und deshalb auch niemand Gestalt annimmt. Nachdem das Ende seiner Welt naht, wird Bilanz gezogen. In endlosen Schleifen, unzähligen Wiederholungen verhandelt er die Geschichte seines Lebens und Scheiterns vor sich selbst. Das ist nichts für Leser mit Happy-end-Bedürfniss und nichts für am Abend-zehn-Seiten-Leser, es ist schwierig und deprimierend. Aber es ist stark, aufrecht und intensiv und deshalb lesenswert.

 

Katharina Hacker wurde 1967 in Frankfurt am Main geboren. Nach dem Abitur studierte sie Philosophie, Geschichte und Judaistik in Freiburg und an der Hebrew University in Jerusalem. 1996 kehrte sie nach Deutschland zurück und arbeitete als Übersetzerin. Ihr Debüt als Schriftstellerin gab Katharina Hacker 1997 mit der Stadterzählung "Tel Aviv". Es folgten "Morpheus oder Der Schnabelschuh" (1998) und "Skizze über meine Großmutter" (1999). "Der Bademeister" ist ihr erster Roman. Für ihren Roman "Die Habenichtse" wurde Katharina Hacker 2006 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.

 

Jasmin Oun

 

Infos: Suhrkamp, 2006, Roman, Taschenbuch, 206 Seiten, ISBN 978-3518459058, 7,50 Euro
Datum: 22.12.08
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