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Mittelmäßiges Heimweh

Autor: Genazino, Wilhelm
Titel: Mittelmäßiges Heimweh
Rezension: Mittelmäßiges Heimweh

Voller Melancholie und Traurigkeit erzählt dieser Roman die Geschichte eines Mannes, der eigentlich mitten im Leben steht. Tatsächlich aber steht Dieter Rotmund neben sich und seinen Gefühlen. Gefangen in den Wirren des eigenen Daseins, ziehen Glück und Unglück an dem Anti-Helden vorüber, jedoch nicht ohne ihre Spuren zu hinterlassen: Nach und nach schwinden dem Protagonisten einzelne Körperteile - zunächst ein Ohr, später ein Zeh. Doch seine Mitmenschen nehmen davon keine Notiz, ebenso wenig wie von den sonstigen Verlusten in seinem Leben. Mit erschreckendem Gleichmut begegnet er selbst der Trennung von Frau und Kind und seiner Beförderung in eine gehobene Position.

Gefangen in der eigenen Passivität und Hilflosigkeit lässt er alles mit sich geschehen, ohne den Versuch, ausbrechen zu wollen. Auf tragische und zugleich komische Weise analysiert er die Geschehnisse um sich herum und vermutet in der Einfachheit des eigenen Seins, dem Mittelmaß aller Emotionen das Glück. Jeder Versuch, etwas gegen die eigene Situation zu unternehmen, scheint vergebens, der bloße Gedanke daran überflüssig. So hält er alles Verschwundene für entbehrlich und verharrt im gewohnten Schwermut über den fehlenden Sinn im Leben und löst sich einfach auf.

Wilhelm Genazino ist mit "Mittelmäßiges Heimweh" ein sprachlich gelungenes sowie skurriles Portrait gelungen, das die Missstände unserer Gesellschaft detailliert aufzeigt und zum Nachdenken anregt.


Kim Tschauner

Infos: dtv, 2008, broschiert, ISBN 9783423137249, 8,90 Euro
Datum: 30.01.09
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