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Der letzte Weynfeldt

Autor: Suter, Martin
Titel: Der letzte Weynfeldt
Rezension: Der letzte Weynfeldt

Der Kunstexperte Adrian Weynfeldt ist der letzte seiner Art: Einzelkind, wohlhabend, wohlerzogen und grundsolide, gleichzeitig gelassen, großzügig und spendabel. Und: Weynfeldt ist Junggeselle. Obwohl bereits Mitte fünfzig und durchaus ansehnlich. Aus der ersten großen Liebe ist nichts geworden, und weitere haben sich nicht ergeben – Weynfeldt nimmts mit Gelassenheit und konzentriert sich auf seine Freundeskreise. Die Alten, das sind die Freunde seiner Eltern, werden von Jahr zu Jahr weniger, die Neuen dagegen nehmen eher zu – eine Folge von Weynfeldts angenehmem Wesen und seiner dicken Brieftasche. Doch dann trifft Weynfeldt Lorena, die ihn an seine erste Liebe erinnert, betrunken in einer Bar, nimmt sie mit nach Hause und rettet sie am nächsten Morgen vor dem Sprung von seinem Balkon. Und plötzlich ist nichts mehr in seinem behaglich eingerichteten Leben wie es vorher war. Plötzlich spielen Liebe und Leidenschaft eine Rolle in Weynfeldts Leben, Betrug und Erpressung, Freundschaft und Misstrauen. Plötzlich wird Weynfeldts beschauliches Leben spannend wie ein Krimi.

Wieder einmal hat Suter in "Der letzte Weynfeldt" das bekannte, bewährte Muster "arrivierter Erfolgsmann trifft unangepasste junge Frau, die sein Leben durcheinander bringt" verwendet, um daraus einen neuen Roman zu formen. Obwohl Suter bei seinem Personal kein Klischee auslässt – vom vergeistigten, weltentrückten Kunstkenner über den versponnen, ewig klammen Kunstfilmer bis zum schmierigen Kleinkriminellen – kann man es ihm und seiner recht vorhersehbaren Geschichte nicht übel nehmen. Mit seiner klaren, wohlgesetzten Sprache und seinen dichten, anschaulichen Personenbeschreibungen werden Leser und Hörer in die Geschichte gezogen, gut recherchierte Einblicke ins Thema – hier: Kunstmarkt – und verschiedene Milieus tun das ihre. Das ist ein höchst süffiges Gebräu, das Suter da zusammenmischt, ein Vergnügen für Auge und Ohr, große Unterhaltung. Leider fehlt die Tiefe, die frühere Romane wie "Die dunkle Seite des Mondes", besaßen.
Martin Suter, geboren 1948 in Zürich, ist Schriftsteller, Kolumnist und Drehbuchautor. Bis 1991 verdiente er sein Geld auch als Werbetexter und Creative Director, bis er sich ganz dem Schreiben widmete. Seine Romane sind auch international große Erfolge. Suter lebt mit seiner Frau und seinen beiden Kindern in Spanien und Guatemala.

Jasmin Oun

Infos: Diogenes, 2008, Hörbuch, 7 CDs, gelesen von Gert Heidenreich, ISBN 3257802005, 34,90 Euro
Datum: 15.05.09
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