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Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten

Autor: Toole, John Kennedy
Titel: Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten
Rezension: Ignaz oder Die Verschwörung der Idioten

Alle sind Idioten, alle, außer Ignaz J. Reilly. Und gegen ihn haben sich die Idioten verschworen. Ignaz ist fett und faul, ein Besserwisser und Unsympath, hält sich selbst aber für ein Genie. Um seine Genialität zu neuen Höhepunkten zu treiben und seine Verdauung zu beruhigen, verlässt Ignaz seine gewohnte Umgebung in einem Vorort von New Orleans nicht und lässt sich von seiner Mutter versorgen. Doch als das Geld knapp wird, zwingt sie ihn, einen längst erwachsenen Mann, sich endlich eine Arbeit zu suchen. Doch weder in der abgewirtschafteten Hosenfabrik noch an der heruntergekommenen Wurstbude lässt sich wirklich Geld verdienen und Ignaz beschränkt sich einmal mehr darauf, Unfrieden und Chaos zu stiften. Doch Ignaz hat noch mehr auf Lager: Er will die Partei der Sodomiten gründen. Nebenbei arbeitet er an einem Buch über die Leiden der geknechteten Arbeiterklasse und wird in den Handel mit pornografischen Bildern verwickelt. Keine lässlichen Sünden im New Orleans der sechziger Jahre.

„Ignaz oder die Verschwörung der Idioten“ von John Kennedy Toole besitzt eine ganze Reihe an idiotischem Personal. Der idiotischste von allen aber ist Ignaz J. Reilly. Um es unverblümt zu sagen: Ignaz ist ein derart fettes, borniertes und pedantisches Arschloch, dass man am liebsten ins Buch springen, ihn schütteln oder ihm eine Flasche über den feisten Schädel ziehen möchte. Anti-Helden gut und schön. Auch eine abgedrehte Geschichte über eine paar Verrückte kann durchaus ihren Charme besitzen. Wenn aber ein Buch keinen Funken Sympathie für den Protagonisten aufkommen lässt, sind das schlechte Voraussetzungen für solides Lesevergnügen. Und dass auch die anderen Idioten in Ignaz Umgebung echte solche und damit ein Ärgernis sind, macht die Geschichte nicht besser. Tooles witzige und zum Teil sogar pointierte Sprache reißt die Sache da nicht mehr raus. Dieser Roman wurde zu Recht von vielen Verlagen abgelehnt. Und wie er dann doch noch zu einem Pulitzerpreis kam, bleibt absolut schleierhaft.

John Kennedy Toole wurde 1937 in New Orleans geboren. Während seines Militärdienstes in Puerto Rico schrieb er diesen Roman. Die jahrelange vergebliche Suche nach einem Verleger entmutigte ihn so sehr, dass er sich 1969 das Leben nahm. Erst elf Jahre nach seinem Tod veröffentlichte ein kleiner Wissenschaftsverlag das Manuskript auf Drängen seiner Mutter. 1981 erhielt der Autor posthum den Pulitzer-Preis.


Jasmin Oun

Infos: dtv, München, Taschenbuch, Roman, 478 Seiten, ISBN 3423209062, 9,95 Euro
Datum: 03.02.10
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