| Autor: | Häusser, Alexander |
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| Titel: | Karnstedt verschwindet Roman |
| Rezension: |
Über zwanzig Jahre lang hat Simon Welde seinen Jugendfreund Karnstedt nicht mehr gesehen. Jetzt ist Karnstedt verschwunden und Simon als sein Nachlassverwalter eingesetzt. Bei Simons Ankunft ist das Haus in Dänemark verwüstet. Karnstedts Auto und ein paar Kleidungsstücke am Strand sind das Einzige, was von ihm gefunden wird. In dem alten Haus überrollen Simon die Erinnerungen und Bilder aus ihrer gemeinsamen Zeit in einer schwäbischen Kleinstadt, als sie gegenseitig ihre besten und einzigen Freunde waren. Karnstedt, der geniale Glatzkopf, dem die Natur kein Körperhaar hatte wachsen lassen, provozierte mit seinem Anderssein. Der kleingewachsene Simon schützt Karnstedt vor der örtlichen Clique und sie werden Freunde. Und noch etwas verbindet sie: ihre Leidenschaft für Fossilien. Schon bald sehen sie sich als berühmte Paläontologen und Forschungsreisende. Doch Karnstedt hängt im Gegensatz zu Simon nicht nur seinen Träumen nach, er arbeitet konkret auf Rache für Vergangenes und die Vorbereitung der gemeinsamen Zukunft mit Simon hin. Doch beides geht schief und so verschwindet Karnstedt zunächst aus Simons Leben, bevor er zwanzig Jahre später dann endgültig verschwindet. Alexander Häussers Roman „Karnstedt verschwindet“ springt zwischen der Rahmenhandlung in der Jetzt-Zeit in Dänemark und Rückblenden in die schwäbische Vergangenheit hin und her. In den Rückblenden erzählt Häusser die eigentliche Geschichte: die Schulfreundschaft von Simon und Karnstedt, in der Homosexualität und der Tod eines Mitschülers eine Rolle spielen. Auf die Frage, was Häussler selbst an der Handlung des Romans am meisten faszinierte, antwortet der Autor: „Es faszinierte mich, über Außenseiter zu schreiben und über dieses Gefühl, nicht dazuzugehören, abseits zu stehen. Wer kennt dieses Gefühl nicht? Und das Glück, Freunde zu finden! Freundschaft und Liebe - und damit eine eigene Welt, die einem Kraft gibt für die anderen Welten da draußen. Das ist ein großes Wunder, aber auch sehr gefährlich, weil es abhängig macht. Auch über so eine "gefährliche Freundschaft" wollte ich in Karnstedt verschwindet schreiben.“ Das verleiht dem Roman eine oftmals düstere, getragene Stimmung, denn selbst in den Passagen, in denen die Freundschaft noch ungetrübt ist, zeigen sich die Schatten bereits an der Wand. Gleichzeitig bleiben die Protagonisten merkwürdig blass, denn Häusser bleibt mit seinem Ich-Erzähler Simon sehr an der Oberfläche: Selbst starke Emotionen, wie die erste Liebe Simons, oder die Homosexualität Karnstedts kommen auf ganz leisen Sohlen daher – auf zu leisen. Denn so bleibt – inklusive dem Ende (Karnstedts) – vieles vage und einiges im Argen. Schade, die Story hätte mehr hergegeben! Alexander Häusser, Jahrgang 1960, studierte Germanistik und Philosophie in Tübingen und lebt heute mit seiner Familie in Hamburg. Er schreibt Romane, Erzählungen und Drehbücher. Seine Erzählung „Zeppelin!“ wurde für das Kino verfilmt. Für seine Arbeit an „Karnstedt verschwindet“ erhielt Alexander Häusser den Literaturförderpreis der Freien und Hansestadt Hamburg. Jasmin Oun |
| Infos: | 2007, Knaus, gebunden, 176 Seiten, ISBN 3813502937, EURO 16,- |
| Datum: | 07.06.10 |
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